Brigitte Hutt - IT-Beraterin und Autorin

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Schöpfung

(M)ein Bekenntnis

Warum ist es heute so schwierig, religiös zu sein, und dann auch noch darüber zu reden? Ich versuche es hier trotzdem. Auf meine ganz private, subjektive Weise.


Warum ich Christin bin? Katholisch bin? Ich bin da hineingetauft, hineinerzogen worden, und ich bin damit vertraut. Religion gehört für mich zum Leben dazu, aber - im Grunde bin ich der Überzeugung, dass eine jede gleichwertig ist. Also bleibe ich bei der, mit der ich vertraut bin.

Ich bin der festen Überzeugung, dass der Mensch eine Bindung braucht. Re-ligio ist Rück-Bindung, Bindung an einen Rückhalt. Das kann nicht gut ein anderer Mensch sein, denn damit zwinge ich diesem eine Rolle auf. Dazu habe ich kein Recht. Es kann eine Überzeugung, eine Ideologie sein, es kann der Glaube an ein Ziel sein, oder eben an eine höhere Macht. An etwas, was so viele Menschen Gott nennen. Dabei verstehe ich den Begriff ‚Macht' durchaus positiv, sehe darin jemand oder etwas, der oder das mehr ‚vermag' als ich, mich übersteigt, und daher mir Kraft geben kann. Wie schön ist es, in einer solchen Macht, an die ich mich gebunden fühle, einen liebenden Vater zu sehen oder eine liebende Mutter. Jemand, zu dem ich Vertrauen haben darf, dem ich mich offenbaren darf mit allem, was mich umtreibt, jemand, der mich versteht und hält, hinter mir steht, was auch immer ich tue. Aber, wie ich es auch von den irdischen Eltern erwarte ab dem Zeitpunkt, an dem ich erwachsen bin: ohne in mein Leben einzugreifen, denn mein Leben muss und will ich selbst gestalten. Es wäre schizophren zu verlangen, dass ein Vater oder eine Mutter mich in Ruhe lässt, wenn alles gut geht, und eingreift, wenn es schlecht läuft. Entweder freier Wille oder Marionette, jedes hat Vor- und Nachteile, aber es gibt keinen Entwurf mit nur Vorteilen.

Ich bevorzuge für diese höhere Macht, an die ich glaube, den Begriff ‚Schöpfer'. Die Schöpfung ist mir bzw. uns gegeben, der Schöpfer hat es gut mit uns gemeint. Was wir damit machen, entscheiden wir. Aber er (ich bitte, auf ‚gendern' verzichten zu dürfen) ist für uns da. Als Gegenleistung erwartet er, dass wir an der Schöpfung mitarbeiten, im und zum Guten, so wie er es angefangen hat. Das ist mein Glaube, meine Religion, meine Rückbindung. Darin fühle ich mich aufgehoben.

Mein jüdisch-christliches Erbe sagt mir, dass Gott, mein Schöpfer, die Liebe ist, und es sagt mir, dass ich sein Ebenbild bin - also versuche ich die Schöpfung mit Liebe zu füllen. Das ist angesichts der Komplexität der Dinge eine Lebensaufgabe.

Und Christus? Christus ist, so sagt es die Tradition, die Verkörperung der Liebe, der Beweis, dass es geht, die Schöpfung mit Liebe zu füllen, aber dass es auch wehtut, wehtun kann bis zum Äußersten. Wir alle sind Gottes Kinder, Christus ist Gottes Sohn im Speziellen. Christus verkörpert eine Sichtbarmachung Gottes. Jedes andere Gottesbild verkörpert eine andere. Ich weiß, dass christliche Theologen mir darin wohl nicht zustimmen werden und können, aber ich erlaube mir, Religion auf meine Art zu empfinden. Und mit dieser meiner Art habe ich auch kein Problem, Menschen anderer Religion als meine Geschwister zu empfinden. Das ist mir wichtiger als das Verständnis der Theologen.



© Brigitte Hutt 2017

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